Was können Sie als Eltern unternehmen?
Wenn Sie etwas unternehmen wollen, wenden
Sie sich an eine Therapeutin oder einen
Therapeuten, die bzw. der sich möglichst auf
Stottern spezialisiert hat. Es kann sehr viel für Ihr
Kind unternommen werden!
Aber auch ohne fachlichen Rat können Sie
einiges versuchen:
•
Versuchen Sie Ihrem Kind die Zeit zu
lassen, das zu sagen, was es sagen
möchte. Unterbrechen und verbessern
Sie Ihr Kind nicht!
•
Versuchen Sie sich Zeit zu nehmen, um
ruhige Momente des
Gesprächsaustausches mit ihrem Kind zu
schaffen, auch wenn es dabei unflüssig
spricht bzw. stottert.
•
Wenn Sie Ihrem Kind eine Frage stellen,
tun Sie dies möglichst präzise und
einfach. Mehrere Fragen an einem Stück
wie "Wie war es heute im Kindergarten?
Hast Du auch wirklich Dein Frühstück
gegessen? Kommst Du heute mit zum
Opa?" sind zu vermeiden.
•
Versuchen Sie Ihre Aufmerksamkeit auf
Dinge zu lenken, die Ihr Kind gerne tut
und gut kann, um es zu ermutigen.
Zwingen Sie dabei aber dem Kind nicht
Ihren Willen auf!
•
Versuchen Sie Ihr Kind genau so wie
andere Kinder zu behandeln!
•
Versuchen Sie, dem Kind als
Sprechvorbild zu dienen: Sprechen Sie
nicht zu schnell, gönnen Sie sich Pausen
zwischen den Sätzen und sprechen Sie
mit guter Betonung.
Sprechen Sie Ihr Kind niemals direkt auf das auffällige
Sprechen an! Gut gemeinte Ratschläge wie "Sprich
langsam!" sind zu unterlassen.
Wie entsteht STOTTERN ?
Es besteht die Gefahr, dass sich aus diesen
normalen Sprechunflüssi
gkeiten ein Stottern
entwickeln kann, wenn das Sprechen Ihres
Kindes folgende Merkmale aufweist:
•
Eine bedeutend höhere prozentuale
Anzahl an Wiederholungen in der
Sprache
•
die Wiederholung von einzelnen Silben
oder Lauten (P-p-p-p-p-polizei)
•
prolongieren (=längerziehen) von Lauten
(Poooooooliiiizei) oder bei
•
eine erhöhte Anzahl von
Wiederholungen (Po-po-po-po-po-
polizei)
Sie sollten auf jeden Fall den Rat von Fachleuten
hinzuziehen, falls Sie folgende Anzeichen
bemerken:
•
Normale Sprechunflüssigkeiten über
einen Zeitraum von mehr als sechs
Monaten
•
das Auftreten der o.a. „gefährlichen“
Symptome über einen längeren Zeitraum
•
bei stetiger Steigerung der Symptomatik
über einen längeren Zeitraum
•
falls Ihr Kind zunehmend mehr Kraft für
das Sprechen aufwenden muss
•
auffällige Körperbewegungen während
des Sprechens
•
eine auffällig unkontrollierte Atmung
oder
wenn es Ihrem Kind bewusst wird, dass es Probleme mit
dem Sprechen hat.
Wenn Sie
Freunde oder Bekannte
haben, die
Probleme mit dem flüssigen Sprechen haben, so sind
diese meist vom Phänomen de
s Stotterns betroffen. Sie
befinden sich sicherlich in guter Gesellschaft eines
großen Teils der Bevölkerung
, wenn Sie nicht wissen,
wie Sie sich diesen Personen gegenüber verhalten
sollen. Wir haben daher für Sie einige Tipps
zusammengestellt, die I
hnen und den stotternden
Personen hilfreich sein können:
•
Es ist sicherlich verlockend, stotternden
Personen bei schwierigen Wörtern zu helfen
oder sogar ganze Satzteile für diese zu
sprechen. Wenn Sie die Person nicht sehr gut
kennen, sollten Sie dies
tunlichst unterlassen.
Es ist etwas anderes, wenn Sie das
Einverständnis der stotternden Person dazu
haben. Ansonsten können Sie durchaus
verstärkte Probleme des
Betroffenen erzielen,
wenn Sie z.B. ein falsches Wort einfügen
oder den Satz inhaltlich unrichtig beenden.
•
Unterlassen Sie vermeintlich gut gemeinte
Ratschläge. Diese können gönnerhaft oder
herablassend wirken und bewirken außerdem
nichts, da das Phänomen Stottern sehr
vielschichtig ist.
•
Warten Sie geduldig,
bis die stotternde
Person fertig gesprochen hat. Vermeiden Sie
Mitleid oder Verlegenheit in Ihrem
Verhalten. Sehen Sie stotternden Menschen
ruhig auf natürliche Art in die Augen.
•
Eine starke Symptomatik des Stotterns kann
durchaus bewirken, dass der Inhalt des
Gesagten nicht verstanden wurde. Fragen sie
ruhig nach, wenn Sie etwas nicht verstanden
haben.
•
Versuchen Sie stotternden Menschen
mitzuteilen, dass Sie Sich für den Inhalt des
Gesprochenen interessieren und nicht für die
Art des Sprechens.
•
Stotternde haben meist große Probleme beim
Telefonieren. Wenn Si
e eine stotternde
Person anrufen oder wenn Sie angerufen
werden und zunächst nichts hören, warten
Sie geduldig auf einen Beginn des Sprechens.
Gerade Begrüßungen oder das Aussprechen
des eigenen Namens
fallen stotternden
Personen häufig sehr schwer.
Wenn Sie die stotternde Person etwas näher kennen, können
Sie ruhig unter vier Augen Ihre Probleme ansprechen.