Was ist Stottern?
Stottern ist keine Krankheit, es kann aber den Charakter einer
Krankheit annehmen.
Stottern ist keine Behinderung, es kann aber oft sehr hinderlich sein.
Stottern ist nicht erblich, es kann aber familiär gehäuft auftreten.
Stottern ist nicht Schuld der Eltern, sie können aber Einfluss nehmen.
Stottern ist ein Rätsel, das immer noch nicht zufriedenstellend gelöst
ist.
Stottern ist nicht heilbar, es kann aber bewältigt und überwunden
werden.
Stottern ist eine situative Kommunikationsstörung, das bedeutet, dass
es in bestimmten Situationen, also unter spezifischen Bedingungen
auftritt - meistens dann, wenn flüssiges Sprechen besonders wichtig
erscheint.
Stottern wird oft ausgelöst durch die Erwartung des Stotterers, dass er
gleich stottern wird. In entspannten Situationen spricht der Stotterer
meist flüssig - oft bemerkt er dies jedoch nicht. Sobald er seine
Aufmerksamkeit auf das Sprechen lenkt, setzen die Stottersymptome
ein. Dies gilt besonders für jugendliche und erwachsenen Stotterer.
Stottern kann eine Schwäche im Sprachverarbeitungssystem zur
Grundlage haben - es gibt eine signifikante Häufigkeit von ebenfalls
stotternden Personen im familiären Umfeld von Stotterern. Dies
bedeutet jedoch nicht, dass Stottern erblich ist - höchstens bei einer
Anzahl von Betroffenen die Anlage dafür.
Stottern hat sicherlich verschiedene Ursachen, die zur Entstehung eines auffallenden und
beeinträchtigenden Störungsbildes führen. Wichtiger als die Erforschung der Ursachen erscheint die
Frage, aufgrund welcher Einflüsse das Stottern bleibt, sich verstärkt und so langfristig zur Störung der
Kommunikation und häufig zu einer Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung führen kann.
Der Begriff Stottern ist aber eine gefährliche Festschreibung, die ein bestimmtes Bild auslöst, das dieser
entwicklungsbedingten Sprechunflüssigkeit und Sprechunsicherheit nicht gerecht wird. Erst wenn diese
Auffälligkeiten über einen längeren Zeitraum anhalten oder sich in eine bestimmte Richtung verändern
(Aufbau von Spannung, Druck, Sprechängste, Vermeidungen...), kann von Stottern gesprochen werden.
Diese Symptome kennen aber die meisten Menschen in bestimmten Situationen. Deshalb sind sie jedoch
noch keine Stotterer, sondern nur situativ Stotternde.
Frank Herziger - Zertifizierter Stottertherapeut IVS
Stell dir vor, du bist
STOTTERER
und keiner merkt es.
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